Gastartikel von Journalistin Nicola Holzapfel über das Thema Hausaufgaben

Foto: pixabay

Vor kurzem habe ich in der Süddeutschen Zeitung einen Artikel über das Thema „Hausaufgaben“ gelesen. Hier wurde ein Einblick aus der Sicht eines Aussenstehenden gezeigt. 
Der Artikel von der Journalistin Nicola Holzapfel hat mir sehr gut gefallen, da sie alle Seiten betrachtet hat, also die der Schüler, Lehrer und der Schule. Als Schülerin ist es schwer über das Thema zu schreiben, daher bin ich sehr froh, dass die Journalistin Nicola Holzapfel für meinen Blog eine Zusammenfassung als Gastartikel dazu geschrieben hat.

Gastartikel zum Thema Hausaufgaben von Journalistin Nicola Holzapfel:

 

Für Jugendliche, die noch zur Schule gehen, klingt es vielleicht komisch, aber: Hausaufgaben sind auch ein Thema in der Wissenschaft. Bildungsforscher machen Studien, um herauszufinden, was Hausaufgaben überhaupt bringen und wie sie gestellt sein müssen, damit Schülerinnen und Schüler dabei etwas lernen. In Deutschland forscht zum Beispiel Ulrich Trautwein von der Universität Tübingen darüber. Ihn habe ich für einen Artikel, der kürzlich im Ressort Wissen der Süddeutschen Zeitung erschien, gesprochen. In einer seiner Studien hat er zum Beispiel herausgefunden, dass Eltern bei Hausaufgaben viel falsch machen. In der guten Absicht, ihren Kindern zu helfen, erreichen sie genau das Gegenteil: Sie demotivieren sie (etwa, weil sie beim Erklären die Geduld verlieren und irgendwann genervt stöhnen „Hast du das immer noch nicht verstanden?“). 
Ginge es nach dem Bildungsforscher sollten Schülerinnen und Schüler darin trainiert werden, ihre Hausaufgaben selbst „in so kurzer Zeit wie möglich ordentlich zu bearbeiten“. Und wie das geht, sollten ihnen die Lehrkräfte zeigen – und nicht die Eltern.
Es gibt viel Wissen darüber, wie man richtig lernt. So ist es zum Beispiel gut, sich vorher aufzuschreiben, was man bereits über ein bestimmtes Thema weiß. Dadurch verknüpft man das, was man neu lernt, mit dem Langzeitgedächtnis. Auch Pausen beim Lernen sind ganz wichtig. Und wer sich schwer tut, sich zu motivieren, sollte sich kleine Belohnungen für danach ausdenken.
Möglichst lang über den Aufgaben zu sitzen, bringt dagegen nicht unbedingt etwas. Das ist oft nur ein Zeichen dafür, dass sich jemand nicht konzentriert – und mit den Gedanken abschweift, statt zu arbeiten. 
Auf den SZ-Artikel über Hausaufgaben hin habe ich viele Leserbriefe erhalten. Eine Lehrerin schrieb zum Beispiel , dass ihre Schülerinnen und Schüler sich mit den Hausaufgaben unnötig lang beschäftigten, weil sie dabei ihre Smartphones auf dem Tisch hatten und zwischendurch auf die Nachrichten reagierten, die laufend über WhatsApp und Facebook ankamen. So waren sie natürlich immer abgelenkt. Erst durch eine Medienschulung sei den Schülern bewusst geworden, wie viel Zeit sie dadurch verlieren. Wer schneller fertig sein und mehr dabei lernen will, sollte sein Handy währenddessen weglegen.
An sich haben Hauaufgaben das Potenzial, einen beim Lernen weiterzubringen. Dafür müssten sie aber auch sinnvoll den Unterricht ergänzen und vor allem danach im Unterricht wieder gemeinsam besprochen werden. Das ist jedoch anscheinend oft nicht der Fall. Eine Fremdsprachenlehrerin schrieb mir zum Beispiel auf den Artikel hin, wenn Kinder nachmittags bei den Hausaufgaben dauernd viel Unterstützung benötigen würden, sei entweder der Stoff im Unterricht nicht angemessen vorbereitet worden – oder das Kind sei auf der falschen Schule. 
Ulrich Trautwein bewertet die Hausaufgabenpraxis an Schulen als „überraschend unprofessionell“. Das gilt offenbar besonders für die Ganztagsschulen. Hier ist die Hausaufgabenbetreuung oft so schlecht, dass viele Schülerinnen und Schüler dennoch abends zuhause ihre Aufgaben machen. 
Der Bildungsforscher Eckhard Klieme meint: „Hausaufgaben sind eine der großen Baustellen von Ganztagsschulen“. Aber er erzählte mir auch von interessanten Modellversuchen. So gibt es inzwischen Ganztagsschulen, die ältere Schüler darin ausbilden, den Jüngeren bei der Hausaufgabenbetreuung zu helfen. Und es gibt inzwischen Schulen, wo die Hausaufgaben komplett abgeschafft wurden, stattdessen wurden Lernzeiten in den Stundenplan eingebaut.
Ein Leben ohne Hausaufgaben – witzigerweise ist das gerade für Eltern eine Traumvorstellung. Viele Eltern reagieren auf das Thema Hausaufgaben ziemlich genervt und trotzdem beugen sie sich dann abends wieder über die Schulbücher, und gehen davon aus, ihren Kindern damit zu helfen. Eine Leserin schrieb mir, dass Eltern auf diese Weise viel erledigen würden, was die Schule nicht schafft. „Grauenhaft“, fände sie das. Da in vielen Familien beide Eltern berufstätig sind, bleibt dafür oft nur am Abend Zeit. 
Dabei, so schrieb mir ein anderer Leser, hätten doch auch Kinder „ein Recht auf Feierabend“.
Wenn man sich die Studien von Ulrich Trautwein ansieht, scheint die beste Strategie für Eltern zu sein, sich bei den Hausaufgaben nicht zu sehr einzumischen, aber zu unterstützen und bei Fragen weiterzuhelfen. 
Und was ist die beste Strategie für Schülerinnen und Schüler? Die Recherche für den Artikel hat gezeigt: Von Lehrerinnen und Lehrern kluge Lernstrategien einfordern, die Aufgaben möglichst selbstständig und zügig erledigen. Und: Smartphone währenddessen ausschalten.

Livia Josephine

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.