Nachgefragt bei Daniel Föst – Was denkt die FDP über schul- und jugendpolitischen Themen?

Daniel Föst ist Landesvorsitzender der bayerischen FDP und Mitglied des deutschen Bundestages und daher der perfekte Gesprächspartner für mich um zu erfahren, was die FDP über die schul- und jugendpolitischen Themen denkt.

Gerade für uns Schülerinnen und Schüler ist die Schulpolitik ein sehr wichtiges Thema, da es uns täglich betrifft. Aber auch das Wahlrecht ab 16 Jahren und der Umweltschutz sind für Jugendliche wichtige politische Themen mit einem sehr hohen Stellenwert, denn es betrifft unsere Zukunft.

Was denkt die FDP über schul- und jugendpolitischen Themen?

Auf der Homepage von Daniel Föst steht, dass unser Bildungssystem individueller, digitaler und durchlässiger werden muss.

Daniel Föst FDP aus dem Bundestag in Berlin

Darauf bezieht sich auch gleich meine erste Frage. Was verstehen sie eigentlich unter einem digitalen Klassenzimmer, also wie sollte es im besten Fall aussehen?
Daniel Föst: Eins ist klar, die Digitalisierung ändert alles. Das Smartphone, die Sozialen Medien und das Internet sind nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken. Nur in unseren Klassenzimmern herrscht leider noch immer die Kreidezeit. Die FDP will heute die bestmögliche Bildung für unsere Kinder, das funktioniert aber nicht mit der Technik von gestern.
Wir Freie Demokraten wollen das mit einer Technik-Investition von 1000 Euro über fünf Jahre pro Schülerin und Schüler umsetzen. Damit können die Schulen Technik und Software anschaffen. Die Umsetzung ist eine Kraftanstrengung, beim Ausbau der digitalen Infrastruktur müssen Länder und Bund zusammenarbeiten. Außerdem muss der Umgang mit den neuen Medien schon in der Schule gelernt werden. Seit 2014 steht in Großbritannien Programmieren auf dem Stundenplan der Grundschule. Warum eigentlich nicht bei uns? Neben Englisch sollten die Kinder auch eine digitale Sprache lernen. Und natürlich müssen auch die Lehrer entsprechend geschult und weitergebildet werden.

Ein wichtiges Thema dazu ist für mich auch eine Reform des Bildungsföderalismus. Das deutsche Bildungssystem muss gerechter werden und gerechter heißt für mich, das Einführen von einheitlichen Lehrplänen in ganz Deutschland. Es sollte egal sein, in welchem Bundesland man in die Schule geht, es sollte dabei keine qualitativen Unterschiede geben. Wie sehen Sie das Thema, wäre das überhaupt mal machbar?
Daniel Föst: Die Reform des Bildungsföderalismus ist eines unserer wichtigsten Ziele. Wir müssen uns von der Idee trennen, dass die Konkurrenz zwischen 16 Ländern die Qualität der Bildung per se verbessert. Bayern konkurriert nicht mit Bremen um die bessere Bildung, sondern mit Schweden, China und den USA.
Zunächst müssen wir dazu das Kooperationsverbot im Grundgesetz abschaffen, denn das verhindert die finanzielle Unterstützung des Bundes in der Bildungspolitik der Länder. Das ist möglich, bedarf allerdings noch viel Überzeugungsarbeit bei den anderen Parteien und vor allem in den Ländern.
Bei den Bildungsstandards stimme ich Dir zu: auch da müssen wir uns um ein einheitliches Niveau bemühen. Es kann nicht sein, dass ein Abitur in einem Bundesland erheblich einfacher oder schwerer ist, als in einem anderen. Deshalb sollten Schulabschlüsse über gleiche Abschlussprüfungen erworben werden. Der Bildungsföderalismus muss also in den nächsten Jahren grundlegend reformiert werden, damit Deutschland im internationalen Vergleich mithalten kann.

In meiner Kolumne für das Münchner Samstagsblattes habe ich mal über die Vorteile eines Schulfaches „Politik“ ausführlich geschrieben. Denn ich fände es wichtig, wenn das Thema Politik in den Schulen intensiver besprochen werden würde. Es gibt leider viele Jugendliche für die Politik eher eine untergeordnete Rolle spielt. Aber gerade in der heutigen Zeit wäre es wichtig gerade in der Schule mehr darüber zu erfahren um zu sensibilisieren damit radikale Gedanken aber auch Parteien keine Chance haben.

Politik als Schulfach?

Sollte deshalb nicht mehr in der Schule über Politik unterrichtet werden, idealerweise vielleicht sogar mit einem eigenen Fach?
Daniel Föst: Die FDP Bayern fordert, an allen weiterführenden öffentlichen Schulen mehr Engagement in der politischen Bildung. Zum einen sollen mehr politische Veranstaltungen während und außerhalb der Schulzeit organisiert werden, damit sich Schüler neutral über politische Parteien und deren Ziele informieren können. Ich denke da an Veranstaltungen wie Podiumsdiskussionen oder Townhall-Meetings.
Außerdem möchten wir, dass der Sozialkundeunterricht ab der Mittelstufe beginnt und in der Oberstufe um eine zusätzliche Wochenstunde erweitert wird. Aktuell wird das Fach mit nur einer Wochenstunde unterrichtet, dabei bleiben zu viele wichtige politische Themen sowie die explizite Aufforderung, sich politisch zu engagieren und zur Wahl zu gehen, auf der Strecke.

Das Wahlrecht ab 16 Jahren ist auch ein wichtiges Thema. Hier haben die Parteien ganz unterschiedliche Meinungen. Bei meinem Interview 2016 hat mir der Bundesvorsitzenden der FDP Christian Lindner gesagt, dass er dazu eher skeptisch ist. Ganz anders der Vorsitzende der Jungen Liberalen Konstantin Kuhle, der hat mir Ende 2016 gesagt, dass für ihn das Wahlrecht ab 16 sehr wichtig ist und versuchen wird alle in der FDP davon zu überzeugen. Hat er es denn geschafft oder gibt es innerhalb der Partei immer noch zwei Meinungen dazu?
Daniel Föst: Das Wahlrecht ab 16 wird auch bei uns immer wieder diskutiert. Wir Freie Demokraten streben in Bayern das aktive Wahlrecht für Kommunal-, Bezirkstags- und Landtagswahlen bereits ab 16 Jahren an. In einer immer älter werdenden Gesellschaft ist es umso wichtiger, die politischen Interessen auch junger Menschen zu berücksichtigen.

Ein aktuell brisantes Thema ist das Abfallproblem mit den Einweg Coffee-to-go Bechern. Das betrifft ja nicht nur uns Jugendlichen sondern die ganze Gesellschaft. In München werden pro Tag ca. 190.000 Coffee to go Becher aus Pappe oder Plastik weggeworfen. In ganz Deutschland heißt das sogar ca. 40.000 Tonnen im Jahr. Über das Problem Littering und den guten Alternativen zu Einwegbechern, wie zum Beispiel das Recup-Becher Pfandsystem ist auf meinem Blog ein immer wiederkehrendes Thema. Wäre also eine Reform bezüglich Einwegbechern generell sinnvoll, was denken sie dazu?
Daniel Föst: Ich finde es super, dass Du Dich für den Umweltschutz einsetzt. StartUps wie Recup, die eine Alternative für die Einwegbecher anbieten, haben eine gute Lösung für die Vermüllung durch Coffee-to-go-Becher gefunden. Dass sie solch einen Erfolg haben, zeigt, wie wichtig vor allem auch den jungen Menschen der Umweltschutz heute ist. Außerdem könnte ich mir vorstellen, dass mit zusätzlichen Aufklärungskampagnen das Bewusstsein für umweltfreundlichere Lösungen noch gestärkt werden kann.

Littering. Die Vermüllung unserer Städte und Alternativen dagegen

Livia Josephine

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