Die Diskussion um allgemeine Dienstpflicht verschaukelt Jugendliche

Aus meiner Jugend-Kolumne für RTL-Next:

Die von der CDU angeregte Diskussion über die allgemeine Dienstpflicht für junge Männer und Frauen zeigt mir, dass der Generationenkonflikt, besonders in der Politik, immer größer wird. Wie ich schon mal geschrieben habe, bezeichne ich meine Generation gerne als „Smartphone-Generation“ und damit kommen anscheinend einige Politiker nicht zurecht.

Die Argumentation hat mit der Realität eines Jugendlichen nichts zu tun

Ich komme mir von dieser Diskussion der CDU jedenfalls verschaukelt vor, weil sie ganz einfach unterstellt, dass wir Jugendlichen alle egoistisch sind und sich keiner von uns sozial engagieren will. Man motiviert durch eine Pflicht aber keinen Menschen dazu, sich sozial zu engagieren. Als Jugendliche lasse ich mich nicht gerne plötzlich in diese Ecke drängen.

Die Argumentation hat deshalb mit der Realität eines Jugendlichen nichts zu tun. Sie will nur eines: die Fehler der Regierung der letzten Jahre kaschieren! Nicht seit gestern gibt es doch den Personalmangel in den Pflege- oder Sozialberufen und sogar bei der Integrationshilfe von Flüchtlingen ginge es nicht ohne die vielen tausenden, auch jungen Menschen, die ehrenamtlich die Arbeit machen, die ja eigentlich der Staat machen sollte.

Allgemeine Dienstpflicht: Auf dem Rücken der Jugendlichen eigene Versäumnisse vertuschen

Letztendlich will man mit einer allgemeinen Dienstpflicht also auf dem Rücken der Jugendlichen eigene Versäumnisse vertuschen. So kommt es mir zumindest vor. Damit Jugendliche früher in das Berufsleben einsteigen, Geld verdienen und Steuern zahlen können, haben mit G8 fast alle Bundesländer die Schulzeit bis zum Abitur auf acht Jahre verkürzt. Sollen junge Menschen also einerseits früher in das Berufsleben einsteigen und andererseits noch ein soziales Jahr machen? Und hier soll sich jetzt kein Jugendlicher verarscht vorkommen?

G8 ist mittlerweile auch in vielen Bundesländern schon wieder Geschichte und so sollte es auch mit der Diskussion über die allgemeine Dienstpflicht laufen. Denn junge Erwachsene braucht der Staat nicht zu erziehen, da wir in Deutschland in einer Demokratie und nicht in einer anderen Staatsform leben. Aber es wäre schön, wenn die Regierung es vielleicht mal schafft, die Pflege- oder Sozialberufe attraktiver zu machen, damit sich mehr Menschen dafür entscheiden, diese Berufe auszuüben. Und noch schöner wäre es, wenn sich die Regierung auch mal so innovative Gedanken über die Klimaerwärmung machen würde.

Für mich geht es hier ganz einfach um einen Generationenkonflikt

Letztlich glaube ich, ist diese Diskussion keine Werbung für die CDU, junge Wähler für sich zu gewinnen. Ich denke, Politik sollte nicht auf das schauen, was früher vielleicht mal gut war, sondern nach vorne blicken. Und deshalb glaube ich, geht es in dieser Diskussion eigentlich um etwas anderes. Für mich geht es hier ganz einfach um einen Generationenkonflikt.

Livia Josephine

3 Comments

  1. Ich persönlich bin für die Einführung der allgmeinen Dienstpflicht. Die Jugendlichen können frei wählen, in welchem Bereich sie diese ableisten möchten. Sei es in der Pflege, einem anderen Sozialberuf oder doch woanders. Im Prinzip ist es ja ein verpflichtendes Freiwilliges Soziales Jahr. Aber es muss ja kein Soziales Jahr sein. Ich kenne auch das Ökologische Jahr, bei dem man in einer Einrichtung des Natur- und Umweltschutzes arbeitet.

    Wieso nicht ein Jahr freiwillig arbeiten? Wenn man doch eh nicht weiß, was man nach der Schule tun soll: Das kann man natürlich auch aufs Schulsystem schieben, das, da stimme ich dir vollkommen zu, grundlegend verändert werden muss.

    Der Großteil der Jugend engagiert sich nicht in der Freizeit. Weder in einem Verein, noch sonstwo. Warum? 1. „Keine Zeit“ – absolut verständlich, denn bei bis zu vier Mal in der Woche Nachmittagsunterricht plus Hausaufgaben, bleibt kaum noch Zeit zur Pause geschweige denn zum Ehrenamt. Aber oft auch 2. „was bringt mir das?“. Ich habe in meiner Freizeit wohl mehr fürs Leben gelernt, als im Unterricht. Ich engagiere mich aber auch in verschiedenen Bereichen.

    Der Staat würde nicht funktionieren ohne Ehrenamtliche. Angefangen bei der Tafel über Integrationshelfer bis hin zum Stadtrat. Wieso also nicht mehr Ehrenamtliche gewinnen? Wieso nicht ein Jahr freiwillig in einem Bereich arbeiten, der einen eventuell sogar interessiert? Ich fühle mich von einer allgemeinen Dienstpflicht nicht in die Ecke gedrängt. Im Gegenteil: Ich fühle mich ermuntert, mich zu engagieren.

    Was würdest du denn vorschlagen, wie könnte die Regierung den Pflegeberuf attraktiver gestalten?

    • Wenn es freiwillig ist, dann gebe ich dir recht Milla. Aber hier geht es ja nicht um Freiwilligkeit sondern um ein verpflichtendes Jahr. Also ich denke, wenn man die Sozial- und Pflegeberufe besser bezahlt, würde sich das Problem ganz von allene lösen.
      LG

      • Manchmal muss man die Leute zu ihrem Glück zwingen. Und nur durch eine bessere Bezahlung allein wird das Problem wohl kaum gelöst werden.

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