Eine Frage, sind Warnstreiks die das öffentliche Verkehrsnetz stilllegen während der Corona-Pandemie sozial oder asozial?

Liebe Gewerkschaft Verdi, liebe MVG, liebe Münchner Stadtregierung,

am 26.Oktober 2020 wurde jedem  wieder gezeigt, wie schwierig es ist in einer Demokratie eine Pandemie zu bekämpfen.  Und wie wichtig es in einer Demokratie ist zusammen Verantwortung zu übernehmen.

Der öffentliche Nahverkehr, gerade die Busse und U-Bahnen, haben in München einen hohen Stellenwert und ich denke, dass es in allen großen Städten so ist. Immer mehr Menschen und ganz besonders wir Schüler/innen sind vermehrt auf diese angewiesen. Und leichter wird der Weg zur Schule während der Pandemie mit der U-Bahn auch nicht wirklich. Die Angst vor dem Virus ist allgegenwärtig. So schaltete die Corona-Ampel  in München am Montag, den 26.10.20 auch auf dunkelrot um.

Aber gleichzeitig bekämpfen sich  Verdi und die MVG mit der Folge, dass genau an diesem Montag keine U-Bahnen und fast keine Busse fuhren. Somit  waren nur ein paar Busse unterwegs, die dann folglich total überfüllt waren, genau wie die fahrenden S-Bahnen. Ansteckungsgefahr lässt hier grüßen. Das Wort „Verkehrschaos“ war am Montag in München viel zu milde ausgedrückt. Am Ostbahnhof zum Beispiel standen in der Früh an der Bushaltestelle oder an der S-Bahn hunderte von Menschen dicht an dicht gedrängt und teilweise sogar ohne Masken. Und die U-Bahnhöfe waren menschenleer. Danke dafür! Da kann man als Regierung  Auflagen machen wie man will. So wird es nichts nützen.

Recht vs. Moral: Ist es „gemeinschaftsschädigend“ (Begriffserklärung „asozial“) eine Pandemie für seine Zwecke auszunutzen?

Eigentlich kann das doch nicht sein, dass sich eine Gewerkschaft wie Verdi, sich über die Regierung der Stadt und den Corona-Regeln stellt. Über Regeln die letztendlich das Ziel haben die Ausweitung des Virus zu vermindern oder besten Falls sogar zu verhindern und diese sollten doch dann auch für alle gelten, oder nicht?

Deshalb wirkt das für mich nicht unbedingt nachvollziehbar, wenn die Politik in der Form der Münchner Stadtspitze einerseits mehr Einschränkungen und Auflagen bekannt gibt und andererseits gleichzeitig Verdi das boykottiert in dem sie das öffentliche Verkehrsnetz stilllegt.

Darunter leidet auch die Glaubwürdigkeit der Politik. Dass sich die Politik mit Kritik an Gewerkschaften  zurückhält, zeigt auch das offizielle Statement das ich von der Münchner Stadtregierung zu den Warnstreiks bekommen habe. Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD): „Das Streikrecht ist ein hohes Gut in einer funktionierenden Demokratie. Ich bedauere es, wenn es für die Münchner*innen während des Warnstreiks zu Beeinträchtigungen und Unsicherheiten gekommen ist. Eine schnelle und zufriedenstellende Einigung muss daher für alle Beteiligten oberstes Ziel sein.“

(Ich möchte hier noch kurz erwähnen, dass  Bürgermeisterin Frau Dietl  die einzige Politiker/in war,  die dazu Stellung tatsächlich auch genommen hat. Das finde ich hoch anzurechnen, da man hier auch sieht wie sensibel das Thema „Gewerkschaft vs. Politik“ ist.)

Natürlich sind Gewerkschaften in einer Demokratie, wie Frau Dietl auch sagt, eine sehr wichtige Sache. Und ja, es besteht auch das Recht zu streiken, auch während einer Pandemie. Dass man daher für Arbeitnehmer kämpft ist grundsätzlich absolut richtig, besonders auch für Menschen die Tag und Nacht für die Gesellschaft arbeiten. Die Frage ist nur mit welchen Mitteln und sind diese Mittel der Situation angemessen. Und so wurde hier absichtlich, und das muss man sehen wie es eben ist, die Gesundheit von tausenden Menschen der Stadt aufs Spiel gesetzt.

Und die Verantwortung dafür hat in meinen Augen aber  nicht nur der Vorstand von Verdi München, sondern auch die Arbeitgebervertreter der MVG. Ich glaube die wirklich guten in ihrem Fach, schaffen es auch sich zu einigen mit fundierten Argumenten und nicht nur mit Druckmittel, gerade in so einer speziellen Zeit in der wir momentan leben müssen.

Somit haben meiner Ansicht nach nicht nur Verdi und die MVG versagt, sondern auch die Politik. Denn hier hätte die Politik als Schlichter auftreten müssen, um einen Kompromiss, zumindest bis sich die Situation wieder mehr beruhigt hat. Das wäre doch eine Idee und sozial für die gesamte Gesellschaft gewesen.

Ich glaube dieses Beispiel hat gezeigt, dass Demokratie nicht nur „ICH“ heißt, sondern auch mal „WIR“. Also, dass beide Seiten der Tarifverhandlungen freiwillig nicht alle Rechte ausnutzen, sondern in der aktuellen Situation Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen umso ein faires Ergebnis zu erzielen.

Wie oft wurde in der letzten Zeit von der Jugend mehr „Gemeinschaftlichkeit“ gefordert. Spätestens am Montag, den 26.10.20 wäre ein guter Zeitpunkt gewesen, nicht nur „Gemeinschaftlichkeit“ zu fordern, sondern auch mit gutem Beispiel voranzugehen.  

Kommentar von Livia Kerp

Bild von Andy Plotzky auf Pixabay

Livia Josephine

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