Kolumne: Musik als Kleber zwischen den Generationen

Aus meiner Kolumne für das Online-Magazin LangweileDich.net:

Als ich im Podcast von Maik und Nils, dem „Redseligcast“, zu Gast war wurde mir wieder bewusst, wie viele Unterschiede es zwischen der älteren und meiner jüngeren Generation gibt. Denn Corona zeigt dies leider sehr deutlich auf. So sind die Vorwürfe meiner Generation gegenüber die Corona-Regeln nicht so ernst zu nehmen, genau wie die „stiefmütterlichen“ Anstrengungen zur Digitalisierung der Schulen. Nicht zu vergessen was in den letzten Jahren schon alles über die jungen Menschen gesagt wurde, die sich für „Fridays for Future“ engagierten und freitags nicht in die Schule gingen, sondern sich bei Demos treffen, um sich für eine bessere und sinnvolle Klimapolitik einzusetzen. Das sind dann eben nur die Schulschwänzer. Es wird in weiten Teilen einfach nicht gesehen, dass sich meine Generation wirklich viele Sorgen um unsere Zukunft macht. Und wenn das nicht schon genug ist, wird durch Corona die Schulbildung auch noch regelrecht torpediert. Ich sage nur Corona-Abitur. Jeder, der in diesem Jahr einen Schulabschluss machen muss, und zwar egal welchen, wird es in der Zukunft mit Sicherheit nicht einfacher haben. Und von den armen Grundschülern ganz zu schweigen. Sie verpassen massenhaft Lernstoff und keiner weiß bis jetzt, welche Folgen das für die Kinder in der Zukunft haben wird.

Deshalb glaube ich auch, dass ein ausgewachsener Generationskonflikt besonders in der aktuellen Situation das Schlechteste ist, was man jetzt noch zusätzlich brauchen könnte. Denn eine Krise besteht man nicht alleine, sondern immer zusammen in der Gemeinschaft. Da bin ich mir sicher. So unterschiedlich die Generationen doch sind, aber es muss doch etwas geben, was alle Generationen miteinander verbindet? So eine Art Kleber. Und eines ist mir eingefallen. Den Kleber gibt es meiner Meinung nach tatsächlich. Denn was drückt mehr Gefühl aus als Musik? Und zwar egal, wie alt man ist. Denn es ist immer das gleiche Gefühl, das die Musik vermitteln kann.

Deshalb wird es auch Zeit, nicht nur immer das Negative zu sehen, sondern endlich mal wieder etwas Positives zu schreiben. Etwas, was alle miteinander verbindet. Und das ist für mich die Musik, die ich auch als Kleber zwischen den Generationen sehe.

Und so habe ich mich auf die Suche gemacht, um Songs zu finden, die in jeder Generation eine Rolle spielen. Also Songs, die man in jeder Generation kennt. Und es sind tatsächlich mehr Titel als man denkt.

Nur weil Songs aus den 80ern oder 90ern sind, muss es ja nicht heißen, dass meine Generation diese Songs nicht feiert. Es fängt ja schon an mit Falco. „Der Kommissar“, „Rock Me Amadeus“ und „Jeanny Part I“ kennt in meiner Generation fast jeder. Das hat auch was mit der heutigen Deutschrapszene zu tun. Denn für viele Rapper ist Falco ein Vorbild im musikalischen und/oder extrovertierten Sinn und das wird auch offen so kommuniziert.

Nena mit ihren „99 Luftballons“ genau wie der „Skandal im Sperrbezirk“ von der Spider Murphy Gang oder „Ohne Dich“ von der Münchener Freiheit darf auch bei uns auf keiner Feier fehlen. Momentan natürlich vorausgesetzt, dass man irgendwann mal wieder feiern darf.

Aber ganz große Klassiker sind auch in meiner Generation auf vielen Playlists. Allen voran „Summer of 69“ von Bryan Adams, also ich kenne niemanden, der den Song nicht auswendig mitsingen kann.

Wenn man mal zu Graben beginnt, dann findet man einige Songs, die schon etwa 30 Jahre auf dem Buckel haben, aber trotzdem auch von jungen Ohren sehr gerne gehört werden. „Forever Young“ von Alphaville oder „Sweet Dreams“ von Eurythmics sind solche Songs. Auch Melodien, die jeder mitsummen kann, sind zum Beispiel „The Riddle“ von Nik Kershaw oder auch der Ohrwurm „Lemon Tree“ von Fools Garden.

Ich wette, dass es nicht viele Jugendliche gibt, die noch nie „We are the Champions“ von Queen oder DJ Ötzis „Hey Baby“ auf einer Party oder in einem Festzelt mitgegröhlt haben. Es gibt einfach Songs, die unsterblich sind, und in jeder Generation ihren Platz haben. Ein ganz krasses Beispiel dazu ist vor allem „Take on me“ von A-ha. Denn ich würde sogar behaupten, ohne „Take on me“ wäre im letzten Jahr „Blinding Lights“ von The Weeknd niemals der Welthit geworden, das er jetzt ist. Das ist für mich kein Zufall.

Und genau deshalb ist „Last Christmas“ von Wham! in Deutschland der erfolgreichste Song aller Zeiten und jedes Jahr zur Weihnachtszeit in den Top Ten. Weil er für alle Generationen die gleiche Bedeutung hat. Auch wenn es viele gibt, die den Song nicht mehr hören können. Die Wirkung ist doch trotzdem immer die gleiche und das ist doch was Positives. Was für mich das Wichtigste ist.

Deshalb kann für mich auch Musik der Kleber zwischen den Generationen sein. So gesehen wäre es vielleicht manchmal auch besser, nicht immer nur gegen die jeweils andere Generation zu nörgeln und Klischees zu bedienen, sondern einfach mal zu chillen und sich gemeinsam die Songs anzuhören, die für alle das gleiche Gefühl auslöst. Nämlich ein Positives! Somit kann Musik Brücken bauen und je schwieriger die Zeit ist, um so wichtiger sind doch diese Brücken zwischen den Generationen.

Das war nur mal so ein Gedanke von mir und wenn man sich in Zukunft vielleicht mal einen dieser Songs, die ich gerade vorgestellt habe, anhört, dann kann man sich jeder gerne mal seine Gedanken dazu machen.

Livia Josephine

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