highlight – Livia Josephine Magazin https://www.liviajosephine.de Fri, 04 Apr 2025 17:08:48 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.9 137760501 Was bedeutet eigentlich Wehrfähigkeit? https://www.liviajosephine.de/2025/04/04/was-bedeutet-eigentlich-wehrfaehigkeit/ https://www.liviajosephine.de/2025/04/04/was-bedeutet-eigentlich-wehrfaehigkeit/#respond Fri, 04 Apr 2025 17:08:47 +0000 https://www.liviajosephine.de/?p=19904 Weiterlesen ]]> Für meine Generation könnte die Antwort darauf weitreichende Konsequenzen haben, umso wichtiger ist es, dass auch die Stimmen der Jugend gehört werden. Ja, die Welt wirkt unsicherer denn je und Europas Verteidigungsfähigkeit muss unabhängiger werden.

Doch stellt sich mir die Frage: Ist die Wiedereinführung der Wehrpflicht, deren rechtliche Grundlage aus dem Jahr 1956 stammt, wirklich die beste Lösung für eine Welt, die sich in nahezu jeder Hinsicht grundlegend verändert hat?

Ganz ehrlich, ich habe da meine Zweifel. Einerseits frage ich mich, wie so ein System langfristig finanziert werden soll, andererseits, ob es überhaupt noch in unsere Zeit passt.

Ein Land kann doch seine Verteidigung nur sichern, wenn es wirtschaftlich erfolgreich ist. Doch aktuell stehen wir vor großen gesellschaftlichen Herausforderungen: Den Fachkräftemangel, besonders in der Gesundheits- und Pflegebranche, im Handwerk sowie im IT-Bereich und zusätzlich haben wir eine zunehmend alternde Gesellschaft.

Und dennoch sollen junge Menschen durch eine Wehrpflicht dem Arbeitsmarkt entzogen werden? Das wirkt widersprüchlich. Statt sie auszubremsen, sollte der Fokus darauf liegen, sie gezielt zu fördern und frühzeitig auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten – idealerweise schon innerhalb des Schulsystems.

Gleichzeitig hat sich auch die Kriegsführung weiterentwickelt – von Cyberangriffen wie der Sabotage der Energieversorgung oder Wasserwerken, über die Manipulation militärischer Systeme bis hin zur Verbreitung von Desinformation, Wahlmanipulation und psychologischer Kriegsführung durch Fake-News und Social-Media-Manipulation (KI spielt dabei eine wachsende Rolle). Hier hätte der juristische Schutz, auch im privaten Bereich schon längst in den Fokus rücken sollen.

Mein Eindruck ist, dass die eigentlichen Herausforderungen woanders liegen. Das ist zumindest mein Gedanke dazu:

Statt veraltete Modelle wiederzubeleben, sollten wir dann nicht besser zukunftsfähige und professionelle Sicherheitsstrukturen schaffen, die auf Freiwilligkeit basieren und gleichzeitig unsere Wirtschaft nachhaltig stärken?

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Meine GenZ-Kolumne für Stern.de https://www.liviajosephine.de/2024/06/08/meine-genz-kolumne-fuer-stern-de/ https://www.liviajosephine.de/2024/06/08/meine-genz-kolumne-fuer-stern-de/#respond Sat, 08 Jun 2024 17:54:58 +0000 https://www.liviajosephine.de/?p=18069 Weiterlesen ]]>

Wer hat Angst vorm Gendern? Eine junge Frau erklärt die wichtigsten Begriffe ihrer Generation – LINK

„Sorry Chef, ich will eine Vier-Tage Woche und Home Office“: Ist die GenZ wirklich arbeitsfaul? –LINK

Fast Fashion – Fast-Trash: Wie die Generation Z über die Modeindustrie denkt –LINK

Gen Z und die Europawahl: Meiner Generation sind Werbespots und Wahlplakate egal –LINK

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Mein Gastartikel für Focus: K.-o.-Tropfen – „Darum muss das Dreckszeug verboten werden“ https://www.liviajosephine.de/2023/10/30/mein-gastartikel-fuer-focus-k-o-tropfen-darum-muss-das-dreckszeug-verboten-werden/ https://www.liviajosephine.de/2023/10/30/mein-gastartikel-fuer-focus-k-o-tropfen-darum-muss-das-dreckszeug-verboten-werden/#comments Mon, 30 Oct 2023 22:50:07 +0000 https://www.liviajosephine.de/?p=17115 Weiterlesen ]]> Mein Gastartikel für FOCUS online:

Beim sexuellen Missbrauch von Mädchen und jungen Frauen spielen K.-o.-Tropfen eine große Rolle. Straftäter betäuben ihre Opfer damit und machen sie wehrlos. Die Münchner Journalistin Livia Kerp (21) fordert ein sofortiges Verbot der teuflischen Substanz. Auf FOCUS online erklärt sie, warum.

Grundsätzlich hat doch jeder Mensch ein Recht auf körperliche Unversehrtheit. Auch junge Menschen. Und auch junge Frauen. Aber wird in der Politik wirklich alles gemacht, um junge Frauen vor sexuellen Straftaten zu schützen? Ich sage: Nein!

Warum?

Zum Schutz vor sexuellen Straftaten gehört nun mal auch, dass man die „effektivste Waffe“ dafür verbietet. Tatsächlich ist es so, dass man K.-o.-Tropfen ganz einfach auf Amazon bestellen kann.

Da fühlt man sich als junge Frau nicht nur von der Politik allein gelassen, sondern man fühlt sich regelrecht WERTLOS. Und das kann ich behaupten, da ich selbst Opfer von K.-o.-Tropfen wurde.

Es geht nicht mehr um Einzelfälle, sondern um den Alltag von jungen Frauen

Ich muss dazu sagen, dass Gott sei Dank nichts Schlimmeres passiert ist, weil ich einen sehr guten Freundeskreis habe und wir immer gegenseitig auf uns aufpassen. Aber dieses Glück hat oder hatte leider nicht immer jede junge Frau.

Ich persönlich kenne keine einzige jüngere Frau, die noch nicht mit dem Thema in Berührung gekommen ist. Sei es auch nur, dass sie eine kennt, die Opfer von K.o.-Tropfen wurde. Und ich glaube, so geht es den meisten aus meiner Generation.

Hier geht es nicht mehr um irgendwelche Einzelfälle. Sondern es ist zum Alltag geworden. Ich kenne keine junge Frau, die im Club ihr Getränk unbeobachtet lässt. Im Gegenteil, die meisten kaufen sich in einem Club schon fast keine Getränke mehr. Und das kann auch nicht die Lösung dieses Problems sein.

Allein auf dem diesjährigen Oktoberfest in München waren es sieben bekannte Fälle, bei denen K.-o.-Tropfen eine Rolle spielten.

Eine Nebelwand schaltet das Gehirn auf Standby – dieses Gefühl wünsche ich niemandem

Bei mir war es an der Bar in einem der angesagten Clubs in München. Ich hatte das Getränk vor mir und trotzdem hat es jemand geschafft, in das Glas K.-o.-Tropfen zu träufeln. Das Problem dabei ist grundsätzlich, dass es eigentlich unmöglich ist festzustellen, wer dafür verantwortlich ist, wenn man ihn nicht auf frischer Tat ertappt.

Das Gefühl, das man bekommt, wenn die Tropfen langsam anfangen zu wirken, ist schwer zu beschreiben. Man merkt, dass irgendetwas nicht stimmt und man plötzlich immer müder wird. Wie gesagt, meine Freunde haben das gemerkt und mich sofort nach Hause gebracht.

Das Surreale dabei ist, dass der Körper immer müder wird aber der Kopf anfangs noch klar bleibt. Man merkt also ganz genau, dass sich etwas nicht richtig anfühlt, bis langsam eine Nebelwand das Gehirn auf Standby schaltet. Das heißt, man verliert einfach langsam die Kontrolle über seinen eigenen Körper. Der Geist und der Körper werden voneinander getrennt.

Und irgendwann erschlafft die Muskulatur und man fällt in einen Tiefschlaf. Das ist ein Gefühl, das ich niemandem wünsche.

K.-o.-Tropfen können töten

Eine Freundin von mir wurde sogar mal eine Überdosis davon heimlich verabreicht. Sie hatte großes Glück, dass sie gerade noch rechtzeitig ins Krankenhaus kam. Es hätte tödlich enden können.

Und da haben wir das nächste Problem. K.-o.-Tropfen können töten – und das ist leider schon zu oft passiert.

Das Thema K.-o.-Tropfen muss nun endlich raus aus der dunklen Ecke. Viele Betroffene sagen oft aus Scham nichts darüber, dabei wäre es so wichtig, das Thema ins Scheinwerferlicht zu hieven, um mehr Druck auf die Politik zu machen.

Fakt ist, sehr viele Frauen fühlen danach nicht nur Scham, sondern bekommen große psychische Probleme. Es kann eine so tiefe seelische Verletzung nach sich ziehen, die ein Leben lang anhält. Das kann nicht sein! Und das muss nicht sein! Deshalb: Out of the Dark – into the Light!

Es gibt kaum Motivation in der Regierung, K.-o.-Tropfen zu verbieten

Im Oktober 2022 habe ich das erste Mal auf meinem jugendpolitischen Blog über die Problematik der K.-o.-Tropfen geschrieben. Dabei habe ich mich auch gefragt, warum es so schwer ist, K.-o.-Tropfen einfach zu verbieten. Es wäre doch die einfachste und effektivste Methode, junge Frauen davor zu schützen.

Deswegen habe ich im März dieses Jahres zusammen mit Bundestagsabgeordneten Stephan Pilsinger von der CSU aus München einen weiteren Beitrag auf meinem Blog gemacht. Und anschließend hat er eine Anfrage an die Bundesregierung zum Thema „Verbot von K.-o.-Tropfen“ gestellt.

Leider ist bis jetzt keine große Motivation der Bundesregierung vorhanden, K.-o.-Tropfen zu verbieten. Das muss sich ändern!

Auf Antrag der Bundesfraktion der CDU/CSU ist im November im Gesundheitsausschuss des Bundestags eine öffentliche Anhörung zum Thema „Missbrauch K.-o.-Tropfen“. Hierzu wurde ich eingeladen, um darüber zu reden. Es geht darum, die Lebensrealität von jungen Frauen darzustellen und aufzuzeigen, warum ein Verbot von K.-o.-Tropfen einfach wichtig und längst überfällig ist.

Fakt ist: Weder ich noch irgendeine Frau möchte sexuell missbraucht werden

Ich sehe das Thema nicht nur als Betroffene, sondern auch mit den Augen einer Frau meiner Generation. Seit einem Jahr versuche ich nun, das Thema „Verbot von K.-o.-Tropfen“ aus dem Schattenleben zu ziehen und eine parteiübergreifende Mehrheit zu finden. Weil für mich das Thema einfach wichtiger ist als Klimaschutz oder das Wahlrecht ab 16.

Denn weder ich noch irgendeine andere junge Frau in Deutschland, in Europa oder auf einem anderen Kontinent will sexuell missbraucht werden oder an einer Überdosis K.-o.-Tropfen sterben.

Deswegen ist es für mich eine Selbstverständlichkeit,

  • dass K.-o.-Tropfen endlich verboten werden müssen,
  • dass man sie nicht mehr frei kaufen kann, weder bei uns in Deutschland noch in der gesamten EU,
  • dass der Besitz von K.-o.-Tropfen strafbar ist, wobei die Strafe wirklich abschrecken muss,
  • dass sich das Strafmaß verdoppelt, wenn ein Täter K.-o.-Tropfen verwendet hat.

Die Politik muss mehr auf das Leben von jungen Frauen schauen

Ich finde, diese Maßnahmen sollten der Politik das Leben von jungen Frauen mindestens WERT sein.

Es ist für mich Wahnsinn. Da wurde 2008 ein Rauchverbot in Innenräumen gesetzlich erlassen, um Menschen, die nicht rauchen, vor den gesundheitsschädlichen Auswirkungen von Tabakqualm zu schützen. Aber ein Schutz junger Frauen vor sexuellen Straftaten durch K.-o.-Tropfen scheint unseren Politikern nicht so wichtig.

Aber kein Mensch will unwichtig oder wertlos sein!

Ich auch nicht. Aber wie soll sich eine junge Frau bei diesem Thema wohl fühlen?

Es ist nicht einfach, ohne Emotionen über das Thema zu reden oder zu schreiben. Am liebsten würde ich einfach brüllen: „Endlich weg mit dem Dreckszeug!“

Livia Kerp. Gastartikel für Focus online

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Sophie Scholl und die Weiße Rose. 80 Jahre nach ihrer Hinrichtung. Ein Gedenktag und ein Blick auf ihr Erbe. https://www.liviajosephine.de/2023/02/22/sophie-scholl-und-die-weisse-rose-80-jahre-nach-ihrer-hinrichtung-ein-gedenktag-und-ein-blick-auf-ihr-erbe/ https://www.liviajosephine.de/2023/02/22/sophie-scholl-und-die-weisse-rose-80-jahre-nach-ihrer-hinrichtung-ein-gedenktag-und-ein-blick-auf-ihr-erbe/#respond Wed, 22 Feb 2023 19:37:10 +0000 https://www.liviajosephine.de/?p=16168 Weiterlesen ]]> Vor 80 Jahren wurden die Mitglieder der Weißen Rose hingerichtet.

Sophie Scholl.

Hans Scholl.

Christoph Probst.

Und wie schreibe ich über etwas, das so grausam war und gleichzeig so viel Hoffnung in sich trägt? 

Bei dieser Frage merkt man schon, dass es mir nicht einfach fällt darüber zu schreiben. Denn für mich ist es ein emotionales Thema, dass weit in der Vergangenheit liegt, aber trotzdem aktuell ist.

Februar 1943

Am 22. Februar 1943 gegen 17 Uhr wurde die erst 21-jährige Sophie Scholl im Strafgefängnis München-Stadelheim mit der Guillotine enthauptet. Auch die anderen Mitglieder der Weißen Rose, ihr Bruder Hans Scholl und Christoph Probst wurden zum Tode verurteilt und zur gleichen Stunde hingerichtet. Ein Urteil das grausamer nicht sein kann. Ihre Tat war das Verteilen von Anti-Kriegs-Flugblättern in ihrer Universität:

Auszug aus dem zweiten Flugblatt: „Man kann sich mit dem Nationalsozialismus geistig nicht auseinandersetzen, weil er ungeistig ist.“ Und im dritten Text wurden u.a. Vorschläge zu relativ ungefährlichem passivem Widerstand gemacht.

In der NS-Diktatur reichte das damals aus, um zum Tode verurteilt zu werden. Hitler führte mit Deutschland nicht nur einen Krieg gegen die Welt, sondern auch gegen die eigenen Bürger.

Deutschland verkam zu einem Unrechtsstaat.

Und wenn man aktuell die Weltlage betrachtet, sehen wir leider immer noch Unrechtstaaten. Deshalb ist das Erbe der Weißen Rose, insbesondere von Sophie Scholl so enorm wichtig. Ich bin mir sicher sie wäre stolz auf das Deutschland und unserer Demokratie von heute.

Für mich ist Sophie Scholl die größte Heldin, die Deutschland je hatte!

Selbst vor der Urteilsverkündung bereute sie nichts. Sie sagte, dass sie alles genauso wieder tun würde. Und das ist bis heute DIE Hoffnung. Dass, egal wie dick die Saat des Bösen den Boden auch bedeckt, es wird immer eine Pflanze geben, die durch einen kleinen Riss ans Tageslicht kommt. Und dann wird sie blühen.

Seit 1946 heißt nun der Vorplatz der Universität in München „Geschwister-Scholl-Platz „. Aber ich bin der Meinung, dass Sophie Scholl noch viel mehr in den Fokus rücken muss. Sie hat es nicht nur verdient, sondern die Aktualität zeigt, wie wichtig es ist, aus ihrer Geschichte zu lernen.

Das Gute wird sich letztendlich immer durchsetzen, egal wie grausam und mächtig das Böse ist. Und das ist die größte Hoffnung, die mir persönlich Sophie Scholl gibt und was sie in mir auslöst.

Die Erinnerung an Sophie Scholl und der Weißen Rose darf niemals verblassen!

Und dafür muss auch unsere Stadt München sorgen. Genau deswegen werde ich DAS auch immer wieder zum Thema machen. In der Ludwig-Maximilians-Universität gibt es auch eine „DenkStätte“ für die Weiße Rose. Geleitet von der Stiftung Weiße Rose e.V.

Für mich besteht eine gute Zukunft darin, dass man aus der Vergangenheit lernt und in der Gegenwart dementsprechend handelt!

So ist es für mich klar, dass Sophie Scholl bei uns in München noch viel präsenter werden muss:

Als Vorbild!

Als Mahnmal!

Als Motivation!

Und als Freundin für Freiheit und Demokratie!

Kommentar Livia Kerp

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Mein jugendpolitisches Buch „How to Politik“ überall im Handel https://www.liviajosephine.de/2021/08/07/mein-jugendpolitisches-buch-how-to-politik-ueberall-im-handel/ https://www.liviajosephine.de/2021/08/07/mein-jugendpolitisches-buch-how-to-politik-ueberall-im-handel/#respond Sat, 07 Aug 2021 10:41:52 +0000 https://www.liviajosephine.de/?p=12715

Mein Buch ist über den Dressler Verlag der Oetinger Verlagsgruppe erschienen.

ISBN: 978-3-7513-0008-7

Politik kann ganz schön unübersichtlich sein. Ein Handbuch für alle (ab 14), die durchblicken und mitreden wollen, randvoll mit Wissen, Fun Facts, Interviews und Challenges.

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Meine Ur-Oma: Eine wahre Heldin und ihre Geschichte https://www.liviajosephine.de/2019/12/22/meine-ur-oma-eine-wahre-heldin-und-ihre-geschichte/ https://www.liviajosephine.de/2019/12/22/meine-ur-oma-eine-wahre-heldin-und-ihre-geschichte/#respond Sun, 22 Dec 2019 11:52:38 +0000 https://www.liviajosephine.de/?p=6670 Weiterlesen ]]> Aus meiner Kolumne für das Online-Magazin LangweileDich.net:

Helden müssen nicht die Welt retten, sondern sie nur ein klein bisschen besser machen. Und das hat meine Ur-Oma gemacht. Sie war eine Zeitzeugin aus einer längst vergangenen Zeit. Ihre Geschichte ist eine Geschichte von vielen aus dieser Zeit, aber trotzdem etwas anders.

Und obwohl sie schrecklichsten Dinge erlebte, war ihre Botschaft aber immer: Niemals vergessen aber trotzdem das Leben lieben!

Und so hat sie immer versucht anderen zu helfen und zwar mit den wenigen Mitteln die sie eben hatte. Deshalb steht für mich niemand mehr für die Eigenschaften „Kraft“, „Mut“ „Aufopferung“ und „Bescheidenheit“ ein. Sie würde in 2 ½ Jahren 100 Jahre alt werden und trotzdem hat mich die Oma meines Vaters noch die ersten 15 Jahre meines Lebens begleitet, was mich auch sehr stolz macht. Auch ihr habe ich es zu verdanken, dass ich so bin, wie ich bin.

Deswegen möchte ich ihre Geschichte erzählen. Weil man sie und ihre Geschichte nicht vergessen darf. Für mich ist sie ein Sinnbild als Vorbild für Menschlichkeit. Ich habe mich oft mit ihr unterhalten, weil ich immer wissen wollte, wie so ihr Leben als Teenager war. Diese ganzen Gespräche habe ich schon vor einiger Zeit aufgezeichnet und aufgeschrieben. Nun glaube ich ist auch der richtige Zeitpunkt gekommen, es zu veröffentlichen.

Aber von vorne. Die Geschichte beginnt im Jahr 1922.

Meine Ur-Oma wurde als Maria Erlacher geboren und zwar am 13. Oktober 1922. In dieser Zeit der Weimarer Republik hat Reichspräsident Friedrich Ebert gerade das „Lied der Deutschen“ zur Nationalhymne des Deutschen Reiches bestimmt. Die Sowjetunion und die NSDAP wurden gegründet und Adolf Hitler war für drei Monate wegen Landfriedensbruch in der Haftanstalt Stadelheim.
Aber die Familie meiner Ur-Oma lebte nicht in einer Stadt, sondern in einem ganz kleinen Dorf namens Halfing in der Nähe von Rosenheim. Also eigentlich bestand Halfing damals lediglich aus ein paar Bauernhöfen und einer Kirche.

Und einer dieser Bauernhöfe gehörte seit Generationen der Familie Erlacher, bestehend aus den Eltern Josef und Philomena sowie den fünf Kindern, und die zweitgeborene der Familie war meine Ur-Oma Maria.

Familie Erlacher 1933

In dem kleinen Dorf, in dem die Familie lebte, bekam man von dem Rest der Welt nicht viel mit, wie mir meine Ur-Oma oft sagte, weil es damals noch kein Radio gab bzw. man es sich später dann auch nicht leisten konnte. Sie bekamen so nichts mit von einer Gründung der Sowjetunion oder wussten 1922 auch noch nicht, dass ein gewisser Adolf Hitler überhaupt existierte. Ihre Hauptsorge war einfach, so gut wie es geht über das Jahr zu kommen, ohne zu hungern und ohne zu frieren.

Im Jahr 1928, als die ersten Fernsehbilder aus der Funkausstellung gesendet wurden, wurde meine Ur-Oma in der Volksschule eingeschult. In dieser Dorfschule, die übrigens in einem anderen Dorf war, wurden immer zwei Jahrgänge zusammengefasst. Der Unterricht dauerte in der Regel von 08:00 bis ca. 16:00 Uhr mit einer Stunde Mittagspause. Zum Frühstück gab es eine Tasse Getreidekaffee und zum Mittagessen gab es ein Stück Brot. Erst zum Abendessen wurde versucht, etwas Warmes auf den Tisch zu bringen, in der Regel so etwas wie Brotsuppe oder Roggennudeln. Also Brotsuppe wurde mit Zwiebeln und heißem Wasser oder heißer Milch gemacht und Roggennudeln sind eine Art Dampfnudeln aus Roggenmehl, dazu gab es auch oft Pilze aus dem nahegelegenen Wald. Nach der Schule mussten alle Geschwister im elterlichen Bauernhof mitarbeiten.

Die Kleidung wurde natürlich immer von ihrer Mutter Philomena selbstgemacht und meine Ur-Oma hatte auch nur zwei Garnituren, also eine für den Sommer und die andere für den Winter. Im Jahre 1932, als sie 10 Jahre alt war, kam der erste Dorfarzt nach Halfing. Das wusste meine Ur-Oma deshalb noch so genau, weil der Dorfarzt ein Auto hatte und sie damals das erste Mal überhaupt ein Auto zu Gesicht bekam. Bis dahin waren Kutschen mit Pferden das übliche Fortbewegungsmittel.

Zwei Jahre nachdem die Weimarer Republik zu Ende ging und Adolf Hitler an die Macht kam wurde meine Ur-Oma im Jahr 1935 nach sieben Jahren aus der Volksschule mit 13 Jahren mit einem erfolgreichen Abschluss entlassen. Was meiner Ur-Oma auch nach so langer Zeit noch besonders im Gedächtnis blieb, war, dass die Lehrer nur mit Fräulein oder Herr, dem Titel und mit dem Namen angesprochen werden durften und der Rohrstock sehr oft zur „Züchtigung“ der Schüler eingesetzt wurde. Wie sie mir gesagt hat, traf es zwar meistens die Jungs, aber trotzdem hatte sie oftmals Tränen in den Augen, als sie mir aus dieser Zeit erzählte.

Ab dem Jahr 1936 musste sie, wie auch jedes andere 14-jährige Mädchen in Halfing, als Magd auf einem der größeren Bauernhöfen arbeiten. Dafür bekam sie in der Woche zwei Mark (einen Euro) sowie Unterkunft und Essen. Die Arbeit als Magd war sehr schwer. Jeden Tag um 03:00 Uhr in der Früh musste sie aufstehen, um auf das Feld zu gehen und mit einer Sense beginnen, zu mähen. Anschließend musste sie bei der Stallarbeit mithelfen und um ca. 07:00 Uhr gab es dann ein Frühstück. Das Frühstück war aber auch nur ein Getreidekaffee und etwas Brot. Bis mittags war wieder Feldarbeit angesagt und am späteren Nachmittag wieder Stallarbeit. Diese Arbeiten waren immer von Montag bis Sonntag. Also praktisch jeden Tag. Als meine Ur-Oma 1939 in meinem jetzigen Alter war, also kurz vor ihrer Volljährigkeit stand, begann der zweite Weltkrieg.

Der Bauernhof, auf dem meine Ur-Oma damals als Magd lebte und arbeitete, verdiente sein Geld mit dem Verkauf von jungen Kälbern. Nur zum Abendessen wurde auch mal das Radio eingeschaltet. Strom gab es damals in diesem Dorf aber noch nicht. Das Radio wurde von aufladbaren Batterien betrieben. Zum Aufladen der Batterien musste sie immer in das Elektrizitätswerk nach Wasserburg am Inn gehen, was ca. eine Stunde zu Fuß entfernt war. Hier wurde dann die Batterie aufgeladen.

Als dann 1939 der 2. Weltkrieg begann, hätte man in Halfing nicht viel davon mitbekommen, wenn nicht alle Männer in die Armee abgezogen worden wären. So wurde auch ihr Vater und der jüngere Bruder (der damals noch minderjährig war) meiner Ur-Oma dazu gezwungen. Die Lichter durch das Feuer der großen Luftangriffe auf München irgendwann 1944 konnte man sogar bis nach Halfing sehen. Meine Ur-Oma sagte mir, dass es das erste Mal war, dass sie etwas vom Krieg so nah mitbekam und ihr damals auch eines bewusst wurde, auch, dass sie ihren Vater und ihren Bruder nie mehr sehen würde. Und so war es dann auch. Ihr Vater und auch ihr Bruder hatten den Krieg nicht überlebt, sie kamen nicht mehr zurück.

Auch nach dem Krieg 1945 gab es in dieser Gegend noch länger keinen Strom und somit natürlich auch noch keine Kühlschränke. Deshalb gab es nur immer geräuchertes Fleisch zu Essen. Den ersten Kühlschrank hatte meine Ur-Oma dann auch erst Anfang der 50er Jahre. Kurz nach dem Krieg lernte sie dann auch meinen Ur-Opa kennen. Als Martin und Maria Flori bauten sie sich eine Familie und einen eigenen Bauernhof in der Nähe von Eiselfing bei Wasserburg am Inn auf.

Doch das Glück hielt leider nicht sehr lange. Im Jahr 1955 als Bundeskanzler Konrad Adenauer in der Sowjetunion war und erreichte, dass die letzten deutschen Kriegsgefangenen entlassen und nach Deutschland zurückkehren dürften, hatte mein Ur-Opa im Alter von 44 Jahren einen tödlichen Motorradunfall. So stand meine Ur-Oma als 34-Jährige mit drei kleinen Kindern und einem Bauernhof plötzlich alleine da. Eigentlich ist das ein Unglück, das eine Familie zerstört, aber durch puren Willen und Stärke hat sie es irgendwie geschafft, den Bauernhof alleine zu bewirtschaften und ihre drei Kinder zu versorgen. Ich kann mir nicht vorstellen, was sie fühlte oder nachts träumte. Denn das waren Themen, über die sie niemals sprach.

Aber kurz nach dem Tod ihres Mannes nahm sie sogar noch zwei weitere Kinder aus ihrem näheren familiären Umfeld auf. Denn diese zwei Kinder hätten die Armut ihrer Herkunft wahrscheinlich nicht überlebt, wenn meine Ur-Oma sie nicht aufgenommen hätte. Es waren ledige Kinder. Damals war nämlich eine Zeit in der ledige Mütter oftmals keine Chance hatten, für ihre Kinder aufzukommen. Damals wurden ledige Mütter oft sogar von der Gesellschaft verstoßen. Was in diesen beiden Fällen so war. Aber da meine Ur-Oma einen Bauernhof hatte, war es für sie auch möglich, diese zwei Kinder aufzunehmen. Dafür bekam sie nichts, außer der Dankbarkeit der Kinder, und so nahm sie ihr Schicksal an. Alleine mit fünf Kindern, der Trauer und dem Schmerz der Vergangenheit, bewältigte sie die nächsten Jahre. Aber sie machte das gerne und das hat sie mir immer wieder gesagt, weil sie es als ihre Aufgabe sah.

So vergingen die Jahre und die Kinder wurden älter. Ihr Sohn Martin Flori unterstützte meine Ur-Oma immer mehr und übernahm nach und nach viele Arbeiten auf dem Bauernhof. Bis er 1991 unter tragischen Umständen ebenfalls wie sein Vater schon mit 44 Jahren durch einen Unfall starb. In einer Zeit, in der sich Mauern und Herzen öffneten, wurde ihres wieder gebrochen. Wieder ein Verlust, der qualvoller für meine Ur-Oma nicht sein konnte. Und trotzdem hielt sie damals die Familie wieder zusammen. Wieder übernahm sie die Verantwortung und war ein Vorbild für alle und gab anderen die Kraft um mit dem Schicksalsschlag fertig zu werden, und das bis zum letztem Tag.

So habe ich meine Ur-Oma kennengelernt. Als eine Frau die nicht an sich denkt, sondern immer nur versucht, das Beste aus den anderen rauszuholen. Wenn sie mir ihre bewegende Geschichte nicht erzählt hätte, wäre die Wahrscheinlichkeit sehr groß gewesen, dass ihre Leistungen und ihre Botschaft verloren gegangen wären. Und das ist das Letzte, was ich will. Denn Menschlichkeit ist nicht nur ein Wort. Menschlichkeit ist der Unterschied, der uns zum Menschen macht. Deshalb denke ich, wenn jemand ein Bundesverdienstkreuz verdient hätte, dann sie.

Als ich ihr damals als 13-Jährige meinen ersten Artikel im Münchner Samstagsblatt gezeigt habe, der über die Flüchtlingswelle bei uns 2015 am Münchner Hauptbahnhof ging, sagte sie zu mir damals „Hör nicht damit auf, mach immer weiter, denn niemand bittet aus Spaß um Hilfe“. Damals als 13-Jährige habe ich das noch nicht so verstanden, aber jetzt weiß ich was sie damit meinte. Nicht nur als Andenken an meine Ur-Oma, sondern auch, weil sie ein Teil von mir ist, werde ich immer auf diese Themen hinweisen, die meiner Meinung nach nicht richtig laufen. Denn ich bin sehr stolz ein Nachkomme von Maria Flori, einer der stärksten Frauen zu sein.

Ich glaube, wir Jugendliche können uns das gar nicht wirklich vorstellen, wie es vor 100 oder 50 Jahren war. Also ich kann es nicht, denn bei meinem 18. Geburtstag beginnt hoffentlich kein Weltkrieg. Deshalb bin ich so dankbar, so viel von einer echten Zeitzeugin erfahren zu haben. Wir bei uns in Deutschland haben doch alle Möglichkeiten. Diesen Luxus haben aber auch 2020 nicht jedes Land und nicht jeder Mensch auf unserer Erde.

Und so möchte ich zum Schluss nochmals die Botschaft meiner Ur-Oma sagen: Niemals vergessen aber trotzdem das Leben lieben! Danke Uri!

Livia Kerp

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