So realistisch ist Jurassic World wirklich

Ich finde die Jurassic World Reihe total faszinierend und habe mich schon öfters gefragt, ob das in der Realität so auch möglich wäre, wie es in den Blogbustern dargestellt wird. Oder wie realistisch die Dinosaurier auch nach den neusten Erkenntnissen der Forschung in den Filmen dargestellt werden.

Das sind natürlich sehr komplexe Fragen und deshalb musste ich einen Wissenschaftler aus der Paläontologie finden, der auch die Jurassic World Filme kennt. Und mit Prof. Dr. Oliver Rauhut Wissenschaftler an der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie und Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität habe ich tatsächlich den perfekten Ansprechpartner dazu gefunden. Er sagt: 25 Jahre nach dem ersten Jurassic Park Film ist auch in der Paläontologie und der Genforschung einiges passiert!

>Die Untersuchung der DNA der bis heute überlebenden Dinosaurier, der Vögel könnte noch spannend werden<

Das Klonen von Lebewesen ist ja auch in der Realität nichts Unmögliches mehr aber ist es tatsächlich möglich Dinosaurier zu klonen und gibt es dazu aktuell Forschungen?
Prof. Dr. Oliver Rauhut:
Nein, das Klonen von Dinosauriern wie in Jurassic Park dargestellt, ist unrealistisch. DNA zersetzt sich üblicherweise sehr schnell, und selbst in den hervorragend aussehenden Insekten (oder auch Eidechsen und sogar Vögeln aus der Kreidezeit) die wir aus Bernstein kennen sind nur noch sehr kleine Reste der ursprünglichen Substanz erhalten, viel zu wenig, um auch nur nützliche Information zur Genetik dieser Tiere überhaupt zu erfahren, geschweige denn, um sie zu klonen. Die älteste noch brauchbare fossile DNA ist nicht älter als 50.000 Jahre, also viiiiiel zu jung für Dinosaurier. Was derzeit allerdings untersucht wird – und das könnte noch spannend werden – ist die DNA der bis heute überlebenden Dinosaurier, der Vögel. Wie wir inzwischen wissen, ist es oft so, dass bei Veränderungen in der Evolution die “alte”, nicht mehr gebrauchte DNA nicht unbedingt verloren geht, sondern einfach “ausgeschaltet” wird, also nicht mehr zur Expression kommt.

Somit enthält das Genom der Vögel noch viele Informationen, die von ihren Dinosauriern Vorfahren stammt – die genetischen Veränderungen sind wohl zwar zu groß, um daraus wieder Original-Dinosaurier (also nicht-Vogel Dinosaurier) zu züchten, aber wir könnten so zumindest einige interessante Informationen über die Vorfahren erfahren. Um Dir ein Beispiel zu geben: Wir wissen inzwischen, dass bei den Vögeln, die ja seit mindestens 70 Mio. Jahren zahnlos sind, die Erbanlagen für die Ausbildung von Zähnen noch vorhanden sind. Diese Gene kann man in der Embryonalentwicklung von Vögeln wieder “einschalten”, indem man dem Embryo im richtigen Entwicklungsstadium das richtige Hormon zuführt. Das löst dann eine Gen-Cascade aus, die zur Bildung von Zahnanlagen bei einem heutigen Vogel führt. Da wir noch nicht genau wissen, welche zusätzlichen Faktoren in der weiteren Entwicklung notwendig sind, werden aus diesen Zahnanlagen noch keine echten Zähne, aber das zeigt zumindest, dass die genetische Grundinformation immer noch vorhanden ist.

>Der berühmte Dino Velociraptor war fast genauso befiedert wie die heutige Vögel und war nur etwa so groß wie ein Truthahn<

Wie realistisch sind die Dinos vom Erscheinungsbild und Verhalten aus der aktuellen Sicht der Forschung in den Jurassic World Filmen dargestellt?
Prof. Dr. Oliver Rauhut: Unser Bild der Dinosaurier hat sich in den letzten 25 Jahren sehr gewandelt. Durch Funde von gefiederten Dinosauriern, zunächst in China, aber inzwischen auch aus anderen Gegenden, wissen wir inzwischen, dass viele, wenn nicht sogar alle Dinosaurier (zumindest als Jungtiere) Federn besaßen. Gerade die Tiere, die den Vögeln sehr nahe stehen – wie etwa der aus den Filmen berühmte Velociraptor – waren fast genauso befiedert wie heutige Vögel und sahen somit eher wie Laufvögel aus, als die glorifizierten Eidechsen, die auch in Jurassic World noch rumrennen (siehe obiges Bild: Der Film-Velociraptor und die heutige Rekonstruktion eines Velociraptor). Aber selbst sehr viel basalere Raubsaurier hatten offenbar eine Federflaum, ähnlich den Daunenfedern bei heutigen Vögeln, und einige Funde deuten sogar darauf hin, dass das generell bei Dinosauriern der Fall war. Sehr große Dinosaurier, wie Tyrannosaurus oder auch die Sauropoden, waren, zumindest als erwachsene Tiere wohl eher nicht gefiedert, ähnlich wie viele unsere heutigen großen Säugetiere (Elefanten, Nashörner) ja auch kein Fell haben – das hängt einfach mit der Physiologie zusammen: je größer ich bin, desto weniger Probleme habe ich damit, meine Körpertemperatur zu halten. Abgesehen von der Darstellung der Körperoberfläche sind die Dinosaurier in den Filmen anatomisch ziemlich gut dargestellt – mit der Ausnahme, dass die Macher der Filme die Tendenz haben, die Größe nach oben zu übertreiben (Velociraptor war z. B. nur etwa so groß wie ein Truthahn). Was auch zum Teil ziemlich fraglich ist, ist das Verhalten: Wir wissen zwar inzwischen, dass viele Dinosaurier, besonders diejenigen, die wiederum den Vögeln nahestehen, vermutlich deutlich intelligenter waren, als früher angenommen, aber ihre Intelligenz dürfte sich vermutlich trotzdem eher so auf der Ebene von Wölfen oder noch darunter bewegt haben. Was natürlich auch völliger Quatsch ist, ist dass Tyrannosaurus eine mordlüstige Bestie war, die nur in der Gegend rumlief und wahllos andere Lebewesen umbrachte. Tyrannosaurus war schlicht und ergreifend ein Fleischfresser, der jagte, wenn er Hunger hatte und ansonsten vermutlich, ähnlich wie heutige Löwen, sehr viel faul in der Gegend rumlag… Insgesamt muss man natürlich zu allen Rekonstruktionen sagen, dass sie immer unser heutiges Verständnis und Wissen ausdrücken. Somit waren die Dinosaurier des ersten Jurassic Park für ihre Zeit hervorragend – aber unser Wissen hat sich halt weiterentwickelt. Gerade in den letzten Jahren hat es da erstaunliche Erkenntnisse gegen, so wissen wir inzwischen, dass man in Ausnahmefällen sogar die Farbe eines Dinosauriers (zumindest teilweise) rekonstruieren kann. In vielen Fällen könnten wir aber auch immer noch deutlich mit unseren Rekonstruktionen danebenliegen.

>Der Tyrannosaurus war keine mordlüstige Bestie<

Bild: www.jurassicworld.com

Wie gefällt ihnen persönlich als Fachmann die Jurassic Park bzw. World Reihe?
Prof. Dr. Oliver Rauhut: Was die Jurassic Park / Jurassic World Reihe angeht, so hat die sich seit dem ersten Film deutlich gewandelt: Der erste Film war, insbesondere, was die Dinosaurier angeht, grandios. Ich habe den Film damals 1993 in den USA gesehen, wo wir gerade auf einer Dinosauriergrabung waren und am Wochenende im nächsten Ort im Outback Montanas mit dem ganzen Team ins Kino gegangen sind. Wie ich schon gesagt habe, waren die Dinosaurier im ersten Film nach den damaligen Vorstellungen hervorragend umgesetzt, insbesondere anatomisch (mit ein paar Einschränkungen im Verhalten, siehe oben). Daneben hat der erste Film damals Meilensteine in der Tricktechnik gesetzt – derartig realistisch aussehende Dinosaurier hatte man noch nie gesehen. Mit den weiteren Teilen der Filmserie hatte man sich an die Tricktechnik gewohnt, die Dinosaurier wurden – insbesondere in Bezug auf ihr Verhalten, aber auch in der Rekonstruktion, weil einfach neuere Erkenntnisse ignoriert wurden – immer unrealistischer und insbesondere die Stories immer haarsträubender… Ich habe mir zwar praktisch alle Filme bisher angesehen (der Letzte fehlt mir noch), aber inzwischen sehe ich es eher als Fantasy-Horror-Actionfilm und nicht als Science Ficion.

 

So sah der erste Bewohner Bayerns aus – Der Sciurumimus ein Dino mit Federn

Bild: Sciurumimus, ein Baby-Megalosaurier von Emmily Willoughby

Das rund 150 Millionen Jahre alte und fast vollständig erhaltene Fossil wurde in einem bayerischen Kalksteinbruch entdeckt und somit ist der gefiederten Dinosaurier Sciurumimus nachweislich der älteste Bayer.

Livia Josephine

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