Falco das Musical – Mein Gespräch mit dem Kommissar

Falco was back in town. Das Falco-Musical gastierte im Münchener Circus Krone, und vor der Show habe ich mich mit „Falco“ Alexander Kerbst getroffen und wir haben uns über seine Show und über Falco unterhalten.

Die Show war dann auch ein echtes Erlebnis. Für mich war es so, als wäre tatsächlich Falco auf der Bühne. Die Stimmung war überragend und als beim Kommissar das Publikum aufstand und mitsang, wurde es richtig emotional und unvergesslich. Aber es hat auch eine klare Botschaft, denn das Musical zeigt auch einen Blick in die Seele eines Menschen, der durch Alkohol und Drogen zerstört wurde. Dadurch wirken die Songs noch viel emotionaler, genau wie ein Spruch von Falco auf der Bühne.

„Die Realität ist eine Halluzination, die durch die Abwesenheit von Alkohol entsteht“. Ein Satz, der irgendwie hängenbleibt.

Im Gespräch mit „Falco“ Alexander Kerbst

Als ich bei Alexander Kerbst hinter die Bühne kam, war er bereits in der Maske und somit optisch schon Falco. Deswegen wollte ich als erstes wissen, wie lange er brauchte, bis er die spezielle Art, also die Sprache und Gestik von Falco draufhatte. Alexander Kerbst: Ich beschäftige mich mit Falco seit über 15 Jahren und grundsätzlich ist es eigentlich ein unmögliches Unterfangen. Denn das Schwierige daran sind nicht die Songs, sondern die Spielszenen von Falco. Es dauerte Jahre bis ich das jetzige Niveau erreicht habe und immer wieder erkenne ich Kleinigkeiten, die ich noch besser machen kann.

Ich suchte erst einmal die Anteile von Falco, die ich in mir trage. Ich muss ja kein Mörder sein, um einen Mörder zu spielen, und ich muss auch kein Kokser sein, um einen Kokser darzustellen. Auch ich hatte schon mal zu viel Alkohol getrunken und diese Erfahrung kann man einfach größer ziehen und so kann man dann auch Sachen darstellen, die man selber nicht erlebt hat. Da ich Schauspiel auch gelernt habe, kommen mir diese Grundsätze der Schauspielerei natürlich zu Gute, wenn ich in die Rolle schlüpfe.

Inwieweit warst du bei der Entstehung des Musicals beteiligt, und konntest du dich auch in die Songauswahl und in die Show miteinbringen? Alexander Kerbst: Komplett, denn das Buch zum Musical habe ich mit meiner Lebensgefährtin Stefanie Kock (spielt auch die Figur „Ana Conda“) geschrieben, indem wir uns in sämtliche Biografien durchgelesen und mit ehemaligen Weggefährten von Falco unterhalten haben. Von seinem damaligen Manager Horst Bork haben wir auch Facts erfahren, die so noch niemand kannte und diese haben wir dann auch in die Show eingebaut. Die Sprechtexte von Falco bestehen daher fast nur aus Auszügen von Songtexten seiner eher unbekannteren Songs und aus Originalzitaten seiner Interviews. Daraus haben wir die Dialoge zusammengestellt, denn so hatte ich auch eine perfekt Vorlage, wie ich die einzelnen Sätze betone, um so einfach ganz nahe an der Figur zu sein.

Es ist aber kein typisches Musical im Sinne von „König der Löwen“, es ist ein autobiografisches Musical. Die Grundidee war, anhand seiner Songs das Leben von Falco zu erzählen. Wir wollen die Menschen mitnehmen auf eine Reise durch das persönliche Leben von Hans Hölzl und das musikalische Leben von Falco, also vom Erfolg bis zum Absturz.

Im nächsten Jahr geht das Musical in eine neue Runde, das ist ein Wahnsinn, denn wir hätten uns das damals niemals gedacht. Es ist dann das vierte Jahr, mit dem wir dann auf Tour sind. Da werden wir auch neue Songs von Falco mit einbauen, um alle ein bisschen zu kitzeln, die das Musical schon gesehen haben.

Gibt es einen Song von Falco der dir besonders viel Spaß macht, auf der Bühne zu performen? Alexander Kerbst: Ja, jetzt bei dieser Tour ist es der Song „Europa“. Er wird in unserer Show als Zugabe gespielt. Der Song wurde geschrieben, als Österreich der EU beigetreten ist. Es ist eine Hymne an Europa, und die momentanen Ereignisse in der europäischen Politik, wenn man da nur an den Brexit denkt, machen diesen Song wieder so aktuell. Es ist wie eine Botschaft von Falco aus dem Jenseits, in der er sagt: Hey Kinder, wir sind doch alle Europa, lasst und zusammen was machen und nicht jeder irgendwas für sich alleine. Deshalb ist es auch momentan mein Lieblingssong, weil er durch diese Aktualität wahnsinnig emotional zwischen Bühne und Publikum ist.

Die Texte von Falco sind ja oft sehr sozialkritisch. Ich würde sogar sagen, viel kritischer als die Texte heute. Fehlt der Musik aktuell nicht mal wieder etwas mehr Falco? Alexander Kerbst: Ja, es gibt einige sozialkritische Songs von Falco wie „Auf der Flucht“, aber er hat auch sehr viel über sich selbst geschrieben. Es ist immer eine Gratwanderung, denn mit viel sozialkritischen Texten ist man schnell in der Liedermacherecke und da wollte Falco nie hin. Denn Falco wollte eigentlich eine Popikone sein und insofern sind seine Texte nicht alle politisch. Heutzutage ist das Problem, dass sich viele Menschen nicht mehr für Politik interessieren und wenn es in Songs thematisiert wird, dann eher sarkastisch. Sich wirklich auseinanderzusetzen über gesellschaftliche oder politische Probleme findet in der Popmusik nicht statt. Also ich kenne jedenfalls diesbezüglich keinen Song. Falco hatte einerseits schon die Coolness und andererseits noch das Kritische. Das machte ihn auch so einzigartig.

Falco – Europa

Livia Josephine

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