Einblick! Mit Klima-Aktivistin Maira Kellers über Fridays for Future, Schule und Kohle

Wie kann man sich als junger Mensch politisch engagieren und sich für seine Zukunft einsetzen? Diese Frage kann Maira Kellers sehr gut beantworten. Deshalb habe ich mit Maira telefoniert und mit ihr über ihre Arbeit bei Fridays for Future (FFF) geredet.

Aber wer ist eigentlich Maira Kellers?

Kurzer Steckbrief: Maira Kellers, 15 Jahre, Schülerin aus Köln und FFF Klima-Aktivistin der ersten Stunde. Sie ist eines der jüngsten Mitglieder des bundesweiten Organisationsteams, sowie im Presseteam von FFF.

Für meine Generation ist die Klimaerwärmung ein sehr großes Thema, weil es letztendlich unsere Zukunft betrifft. Damit erzähl ich jetzt nichts Neues. Und ich springe hier auch nicht auf ein aktuelles Thema auf, nur weil es gerade angesagt ist. Meinen ersten Post über die Klimaerwärmung habe ich schon 2015 als 13-jährige geschrieben. Deshalb weiß ich auch, wie schwer es ist als Jugendliche/r eine politische Wirkung zu erzielen. Was jetzt aber nicht heißt, dass es nicht möglich ist. Denn das zeigt Maira Kellers sehr gut. Sie ist eine der wichtigen Gesichter von Fridays for Future und deshalb habe ich mich mit Maira über ihre persönliche Geschichte bei FFF unterhalten und über die Frage wie sie die Zukunft von FFF sieht.

Das Interview

Du gehst ja auch noch zur Schule. Wie schaffst du den Spagat zwischen Schule und deiner aktivistischen Arbeit für FFF? Maira: Natürlich kommt die Schule, schon aufgrund der Freitags-Demos zu kurz. Aber ich versuche es trotzdem immer gut auszupendeln. Klimaschutz hat für mich aber Priorität, was auch zur Folge hat, dass sich meine Noten verschlechtert haben. Aber in einem Rahmen, das für mich Ok ist und darauf kommt es ja auch an.

— „Greta ist eine Klimaschutzaktivistin und kein Pop-Idol.“ –

Als mittlerweile bekanntes Mitglied von FFF hat sich doch auch innerhalb der Schule was verändert. Wie ist seitdem dein Verhältnis zu den Lehrern und der Schulleitung? Maira: Grundsätzlich fühle ich schon, dass die Lehrer hinter mir stehen. Mit der Schulleitung ist es natürlich etwas schwieriger, da sie natürlich an die Weisungen der Stadt Köln gebunden sind. Manchmal kann es für Lehrer schon mal nervig sein, wenn ich das Klimaschutzthema immer wieder im Unterricht anbringe, aber andererseits bekomme dafür auch Sympathien, da man sieht, dass ich das Thema eben sehr ernst nehme. Unter den Schülern ecke ich mit meiner politischen Sichtweise schon mal an, aber das empfinde ich als ganz normal.

Greta Thunberg war ja Vorbild zur Gründung von FFF. Wie siehst du Greta und ihre Rolle bei FFF? Maira: Mir ist es wichtig auch zu sagen, dass es bei FFF nicht um Greta geht, sondern um die Sache. Oft geht es in Diskussionen nur um ihre Person und das lenkt einfach oft vom Klimaschutzthema ab. Greta ist eine Klimaschutzaktivistin von vielen und kein Pop-Idol.

Wir müssen nicht nur auf den Klimaschutz aufmerksam machen, sondern auch Handlungsmöglichkeiten aufzeigen.

Wie siehst du die aktuelle Klima- und Umweltpolitik der Bundesregierung? Siehst du vielleicht schon positive Tendenzen im Kampf gegen die Klimaerwärmung? Maira: Ehrlich gesagt fällt es mir momentan schwer etwas Positives dazu zu sagen. Ich würde es aber sehr gerne. Aber leider macht unsere Politik da vieles falsch. Meine Hoffnung ist, dass die Politik aufgrund der Corana-Krise etwas gelernt hat. Nicht nur die Politik, sondern die gesamte Gesellschaft erlebt nun, wie es ist in einer weltweiten tiefen Krisensituation zu leben. Vielleicht hilft das, die Klimakrise wirklich nachhaltiger zu bekämpfen, damit wir in der Zukunft nicht die nächste Krisensituation bekommen.

Wunschkonzert! Was würdest du als erstes machen, wenn du Umweltministerin wärst? Maira: Den sofortigen Kohleausstieg! Das ist ein riesen Verbrechen was da um das Braunkohletagebau Garzweiler II aktuell passiert. Da wird gerade eine Landstraße bei Keyenberg abgerissen, was von vielen Aktivisten durch Sitzblockaden versucht wurde zu verhindern. Weil für den Braunkohletagebau Garzweiler II  derzeit noch fünf Erkelenzer Ortschaften umgesiedelt werden, da noch bis 2038 Braunkohle abgebaut werden soll. Dass unsere Regierung in diesen Zeiten, in der die Klimakrise vor der Türe steht, weiterhin Kohle subventioniert und weiterhin Dörfer dafür abgebaggert werden, nur dass wir Kohlestrom beziehen können, finde ich absolut fatal und gefährlich.

Welche Ziele sieht du bei FFF für die Zukunft? Maira: Ich glaube, dass wir von FFF es unheimlich schnell geschafft haben die Massen zu mobilisieren und auf das Thema Klimaschutz nicht nur bei uns Jugendlichen, sondern in der gesamten Gesellschaft aufmerksam gemacht haben. Aber jetzt müssen wir über diesen Schritt hinausgehen. Wir müssen nicht nur auf den Klimaschutz aufmerksam machen, sondern auch Handlungsmöglichkeiten aufzeigen. Denn Klimaschutz heißt nicht nur weg von Kohlekraftwerken und hin zu den erneuerbaren Energien, sondern es ist auch ein Kampf gegen die soziale Ungerechtigkeit. Klima steht daher für Gerechtigkeit. Somit ist es für mich auch wichtig zu zeigen, dass wir als FFF auch antirassistische Arbeit betreiben, genau wie antifaschistische und feministische Arbeit.

Zum Schluss noch für alle Jugendlichen die sich auch politisch engagieren wollen. Wie können Jugendliche bei FFF mitmachen und wie war das bei dir? Maira: Es gibt mittlerweile über 500 Ortsgruppen von FFF, also in großen Städten, genau so wie in kleinen Dörfern. Die meisten davon haben auch eine eigene Instagram Seite, hier kann man ganz einfach in Kontakt treten. Eine andere Möglichkeit wäre einfach über https://fridaysforfuture.de/regionalgruppen/  eine Ortsgruppe in seiner Nähe zu suchen. Hier kann man dann ganz einfach in die WhatsApp-Gruppe seiner Wahl beitreten.  So bekommt man dann alle Informationen sowie auch die Termine für das Plenum. So war es auch bei mir. Nach meiner ersten FFF-Demo war ich auf dem Plenum und  ich habe mich dann anschließend entschlossen hier ernsthaft zu engagieren. 

Livia Josephine

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