Mein „Revolverheld-Interview“ über ihre Rolle als Vorbild: Das ist unser Weg gegen Populismus

Die Band Revolverheld gehört mittlerweile zu den bekanntesten deutschen Bands. Ihr neustes Album „Zimmer mit Blick“ (Partnerlink) kam bis auf Platz 2 in den Charts und im März beginnt die große Arena-Tour durch Deutschland und Österreich.

Aber die Band fällt noch durch etwas anderes auf

Was mir als Jugendliche an Revolverheld besonders gut gefällt, ist ihr großes gesellschaftliches Engagement. Sie unterstützen u.a. die Organisation „Laut gegen Nazis“ und haben im Sommer die Demo für den Kohleausstieg im Hambacher Forst durch ein Spontan-Konzert unterstützt.


Und darüber wollte ich mit der Band einmal sprechen und habe aus diesem Grund mit Niels Hansen dem Gitarristen von Revolverheld telefoniert. Das Gespräch mit Niels war total locker und für mich sehr interessant, so auch mal die Künstlerseite zu diesen Themen kennenzulernen.



Foto:© Benedikt Schnermann
Die Band Revolverheld bestehend aus Kristoffer Hünecke, Johannes Strate, Jakob Sinn und (rechts) Niels Hansen.


Der Kohleausstieg und die Klimaerwärmung sind ja miteinander verknüpft und gerade die Bundesregierung handelt in der Klimapolitik sehr zögerlich. Was ich als Jugendliche schon als Wahnsinn empfinde, wie mit unserer Zukunft umgegangen wird. Wie seht ihr das und was war für euch damals der Grund im Hambacher Forst die Demo zu unterstützen? Niels Hansen: Es ist ja völlig klar, dass Braunkohle eine aussterbende Form der Energiegewinnung ist. Deswegen wurde auch die Kohlekommission eingesetzt um den Kohleausstieg vorzubereiten. Wir reden hier von einem Zeitraum von nicht mal 20 Jahren. Wenn man sich dann in der aktuellen Situation überlegt , dass ein jahrtausender alter Wald abgeholzt werden soll um einen Konzern wie RWE eine Überschussproduktion zu ermöglichen, dann ist das nicht nachvollziehbar. Das war der Grund, uns auch gegen die Abholzung zu engagieren. Wir haben damals bei den Organisatoren angefragt, wie wir die Aktion unterstützen können und so kam es dann, dass wir bei der Demo gegen die Abholzung des Hambacher Forstes aufgetreten sind.


Fremdenfeindlichkeit ist ja leider ein Thema das immer mehr in den Fokus rückt und gerade Jugendliche können durch populistische Parolen in ihrer Meinung beeinflusst werden. Wie kann die Politik Jugendliche besser davor schützen? Niels Hansen: Es ist wichtig, dass man nach wie vor, ganz viel Aufklärung betreibt. Ich hab manchmal das Gefühl, dass sich viele Leute gar nicht bewusst sind, was überhaupt Rassismus ist. Aktuell gibt es immer mehr Menschen die sich mehr und mehr aus der Deckung wagen. In einer Gesellschaft war und wird Rassismus wahrscheinlich immer ein Thema sein. Aber wir müssen lernen besser damit umzugehen. Gerade bei Jugendlichen und in den Schulen müssen wir mehr aufklären, denn Geschichte darf sich nicht wiederholen.

Das ist unser Weg gegen Populismus

Hater-Kommentare sind in den heutigen sozialen Medien ja leider keine Seltenheit mehr. Jetzt zählt eure Band zu den erfolgreichsten Bands in Deutschland und habt dadurch auch eine gewisse Vorbildfunktion. Wie begegnet ihr daher „Hass im Netz“ und was ist eure Konsequenz daraus? Niels Hansen: Wir haben schon vieles miterleben müssen. Denn sobald man sich positioniert, so wie wir uns gegen Rassismus positioniert haben oder uns eben für den Kohleausstieg stark gemacht haben, folgen natürlich viele Hater-Kommentare. Wir als Band stehen natürlich auch im öffentlichen Fokus und werden daher auch von mehr Menschen wahrgenommen. Manchmal ist es schon erschreckend welche Kommentare da um die Ecke kommen. Ich glaube diese Menschen fühlen sich im Internet geschützt und denken, dass sie alles machen können, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen. Trotzdem muss man damit leben und versuchen damit umzugehen. Wichtig dabei ist, dass man sich nicht unterkriegen lässt und weiterhin seine Position vertritt. Uns als Band ist es wichtig eine Haltung einzunehmen, weil wir in der Öffentlichkeit stehen. Wir finden, dass man als Künstler ganz klar auch eine gesellschaftliche Verantwortung hat, weil man im Fokus steht und zum Teil auch eine Vorbildfunktion hat. Das ist unser Weg.

Es kamen zwei Leute zu unseren Konzerten und beide kannten wir“

Der nächste Weg zu eurerArena-Tour beginnt im März 2019. Aber jeder hat auch mal klein angefangen. Wenn du jetzt zurück denkst an eure ersten Konzerte, wie sahen die damals aus, besonders im Vergleich zu den Megahallen die ihr jetzt füllt? Niels Hansen: Das ist natürlich ein großer Unterschied. Wir haben am Anfang bei Konzerten unsere Freunde gefragt ob sie kommen, weil uns natürlich auch noch keiner kannte. Wir haben da tatsächlich auch einige Konzerte gespielt, wo wirklich kein einziger zahlender Gast da war. Es waren dann zwei Leute vor der Bühne und beide kannten wir. Wenn man das jetzt mit heute vergleicht, dann muss ich mich noch manchmal kneifen, denn das ist schon eine unglaubliche Geschichte. Hätte mir das jemand vor 15 Jahren gesagt, dass wir regelmäßig in vollen Arenen spielen, hätte ich es niemals geglaubt. Wir wissen, dass es ein großes Privileg ist, denn wir dürfen das machen, was uns am meisten Spaß macht. Denn gerade Livekonzerte sind für uns das Größte, deswegen sind wir da sehr dankbar und demütig. Wir freuen uns jeden Tag, dass so viele Menschen unsere Musik gefällt und wir das so erleben dürfen.


Auf was können sich eure Fans bei der Arena-Tour besonders freuen? Niels Hansen: Wir haben uns das ganze Jahr sehr viele Gedanken dazu gemacht. Natürlich wird es viele Songs geben, die man von den alten Alben kennt, sowie auch einige von dem neuem Album „Zimmer mit Blick“. Ich kann schon so viel verraten, dass es die größte und aufwendigste Show wird die wir bis jetzt gemacht haben. Wir haben uns viele spezielle Sachen überlegt und ich glaube, das wird für alleein ganz großartiges Erlebnis werden. Also man darf sich auf einiges gefasst machen.

Livia Josephine

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