Kolumne: Wenn Corona ein gesellschaftlicher Intelligenztest wäre

Aus meiner Kolumne für das Online-Magazin LangweileDich.net:

Wenn man Corona jetzt als gesellschaftlichen Intelligenztest sehen würde, dann hätten wir echt ein Problem. So sehe ich das zumindest. Als die Pandemie anfing und noch niemand wusste, was alles passieren würde, hielten sich die allermeisten an die Auflagen der Regierung, aber trotzdem mussten wir in Deutschland bis Ende Mai ca. 8.500 Menschen zählen, die tragischerweise an der Coronavirus-Infektion gestorben sind. Was Länder wie Italien oder alleine auch die Stadt New York City mit dem Virus erlebt haben, muss absolut die Hölle gewesen sein.

Langsam kamen aber dann die Lockerungen und damit gleichzeitig die Menschen, die sich über Corona ihre eigenen Gedanken gemacht haben. Und damit käme der kollektive Intelligenztest langsam in den niederen Zahlenbereich. Plötzlich treffen sich tausende Menschen, natürlich hauptsächlich ohne Mund- und Nasenmaske und demonstrieren gegen die Einschränkungen unserer Grundrechte.

Gegen Einschränkungen der Grundrechte zu demonstrieren oder über die Angst einer Diktatur lasse ich mir noch irgendwo eingehen, auch wenn man dazu wissen sollte, dass es unmöglich ist, die Grundrechte abzuschaffen oder dauerhaft einzuschränken. Denn die ersten zwei Artikel des Grundgesetzes weisen direkt daraufhin.

Also, die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat. Und alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt. Und jetzt kommt es. Das Grundgesetz kann nur mit einer Mehrheit von zwei Dritteln der der Stimmen des Bundestages und zusätzlich mit zwei Dritteln der Stimmen des Bundesrates geändert werden. Diese Hürde ist so groß, dass es einfach nicht möglich ist es zu ändern. Das sollte man wissen, bevor man auf die Straße geht und dahingehend demonstriert. Das kann man gerne machen, macht aber keinen Sinn.

Und wenn man sich eine Diktatur ansieht, dann sieht man auch ganz schnell, dass sie etwas anders aufgebaut ist als eine Demokratie. Die Diktatur ist nämlich eine Herrschaftsform, die sich durch eine einzelne regierende Person, den Diktator, mit weitreichender bis unbeschränkter politischer Macht auszeichnet. Da sollte man lieber mal nach Nordkorea sehen, das tatsächlich eine Diktatur ist oder in die Türkei, die langsam zur Diktatur wird.

Das Problem bei diesen Demonstrationen ist ganz einfach, dass sich hier sämtliche Theorien treffen. Manche sagen dazu Verschwörungstheorien. Das mache ich jetzt zum Beispiel nicht, weil man sonst diesen Thesen einen Stellenwert gibt, den sie einfach nicht verdienen.

Wenn man Bill Gates als Verursacher der Corona-Pandemie benennt oder man Angst vor Impfungen hat, die Bill Gates finanziell unterstützt, dann… Was soll ich sagen… Schwuppdiwupp fällt der Wert eines kollektiven Intelligenztestes noch weiter runter. Aber am schlimmsten finde ich die Aussagen, dass ja eh nur alte Menschen sterben. Da bekomme ich Ausschlag. Abgesehen davon, dass das nicht stimmt, stellt sich mir die Frage, ob ältere Menschen in deren Augen nichts Wert sind?!

Man darf die kollektive Intelligenz nicht unterschätzen. Das sieht man ganz einfach auf diesen Demonstrationen, wie man sich hier gegenseitig hochschaukelt. Und kollektive Intelligenz gibt es tatsächlich. Sie wird auch Schwarmintelligenz genannt. Das sind Gruppen von Individuen die durch Zusammenarbeit, unabhängig von der Intelligenz der einzelnen Mitglieder, intelligente Entscheidungen treffen „können“. Dabei besitzt das einzelne Individuum nur relativ geringe Informationen über seine Umwelt und interagiert nur mit einer begrenzten Anzahl von Artgenossen. Schwarmintelligenz ist besonders bei Insekten zu beobachten. Wie man bei der Definition jetzt schön lesen kann, basiert die Gruppenintelligenz also auf die einzelnen Individuen, die leider nur relativ wenig Informationen über ihre Umwelt haben. Tja, nur leider werden hier keine intelligente Entscheidungen getroffen. Und so sind wir dann wieder beim Thema Bildung.

Dazu kommt, dass sehr viele der Demonstranten, die gegen die Einschränkung der Grundrechte marschieren, aus dem politisch rechten Spektrum kommen. Das finde ich wiederum total skurril, denn diese Personen werfen der Regierung eine Diktatur vor, wobei sie in Wirklichkeit ja am liebsten wieder eine rechte Diktatur einführen würden. Und das Allerbeste ist, dass sie durch eine Demo eines der wichtigsten Grundrechte benutzen, die wir haben, nämlich der freien Meinungsäußerung und Versammlungsfreiheit.

Wenn also Corona ein riesig großer gesellschaftlicher Intelligenztest wäre, sorry, dann muss ich mir die Frage stellen, ob unser Bildungssystem total versagt hat? Oder vielleicht bewirken die sogenannten Urängste beim modernen Homo sapiens doch wieder eine gewisse Rückentwicklung. Ich weiß es nicht.

Das zeigt sich übrigens bei uns in Bayern auch sehr schön. Die Biergärten haben wieder offen, aber unsere Schulen noch nicht. So ist es bei uns. Erst das Bier, dann die Bildung.
Damit freue ich mich persönlich wieder auf meinen ersten Schultag nach der Schulschließung, was dann hoffentlich in meiner Schule stattfinden wird und nicht in einem Biergarten. Aber wer weiß das schon bei uns in Bayern.

Gott sei Dank gibt es keinen kollektiven Intelligenztest!

Livia Josephine

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